Die Gewichtsgeldwirtschaft der Wikingerzeit

Verpflichtende Zitierweise. Obligatory citation. Citation obligatoire. Citazione obbligatoria. Citacion obligatoria. Citação obrigatoria. Verplichte aanhaling. obowiazkowy cytat: Klusmeier, Fritz (2020): Die Gewichtsgeldwirtschaft der Wikingerzeit. Primitivgeldsammler 41/1, pp.3-8.

Die Gewichtsgeldwirtschaft der Wikingerzeit

Fritz Klusmeier

Am 16. 7. 1999 wurden im Nordosten der schwedischen Insel Gotland drei Horte entdeckt, die nahe beieinander 20 bis 30 cm unter der Erdoberfläche lagen, „beneath the boarded floor of a Viking-age building“. (Oestergren S.326) Zwei der Horte enthielten Silbersachen, sie gehörten augenscheinlich zusammen, der dritte bestand aus Bronzeschrott (er ist nicht Gegenstand dieser Untersuchung).

Die beiden Silberschätze wogen zusammen 67 kg (27kg + 40 kg), sie sind damit die größten bekannten Silberschätze der Wikingerzeit. Oestergren beschreibt ihren Inhalt: „The silver artefacts range from the simplest raw material by way of coins, silver bars and spiral rings to finished products, such as finger-rings, bracelets and arm-rings. Every object can be regarded as currency, valued according to weight and silver content. Much of the material had been bundled together to form equal units of weight, corresponding with the Viking-age weight system in which one mark was equal to 200 g. […] Together the hoards comprise just over 14300 coins (ca. 17 kg), both complete and fragmented, and almost without exception Islamic. In addition, there are 486 arm-rings and bracelets, 25 finger-rings, c. 80 bars and a large quantity of spiral rings and other cut silver.” (S. 326 – Tafel I Abb.1a und b)

PGS 41,1 (2020) Tafel 1 Abb. 1a: Gotland Museum: Spillings-Silberhort 1.

PGS 41,1 (2020) Tafel 1 Abb. 1a: Gotland Museum: Spillings-Silberhort 1. (Foto W.carter. commons.wikimedia.org).

PGS 41,1 (2020) Tafel 1 Abb.1b: Gotland Museum: Spillings-Silberhort 2.

PGS 41,1 (2020) Tafel 1 Abb.1b: Gotland Museum: Spillings-Silberhort 2. (Foto W.carter. commons.wikimedia.org).

Abgesehen von wenigen Holzresten wurden keine Überbleibsel von Schatzbehältnissen gefunden; der kleinere Teilschatz war augenscheinlich in einem Sack vergraben worden, der vorher Salz enthalten hatte: So ist zu erklären, dass die Objekte z.T. korrodiert sind (Silberchlorid).

Die gefundenen Münzen erlauben eine Datierung des Schatzes „to some time after 870/71.“ – Tafel II Abb.2 – Der Silberschmuck stammt hauptsächlich aus gotländischer Produktion, Beispiele:Tafel II Abb.3.

PGS 41,1 (2020) Tafel 2 Abb. 2: Gotland Museum. Arabische Silbermuenzen (dirhem) aus dem Spillings Hort 2.

PGS 41,1 (2020) Tafel 2 Abb. 2: Gotland Museum. Arabische Silbermuenzen (dirhem) aus dem Spillings Hort 2. (Foto W.carter. commons.wikimedia.org).

PGS 41,1 (2020) Tafel 2 Abb. 3: Gotland. Fornsal Museum in Visby. Einige Silberreife aus dem Spillings Hort.

PGS 41,1 (2020) Tafel 2 Abb. 3: Gotland. Fornsal Museum in Visby. Einige Silberreife aus dem Spillings Hort. (Foto Wolfgang Sauber. commons.wikimedia.org).

Bemerkenswert sind die Barren, sie wurden in steinernen Formen gegossen, sie unterscheiden sich in Größe, Gewicht und äußerer Form: Sie sind entweder so belassen, wie sie aus der Form gekommen sind, oder sie sind bearbeitet (gehämmert) und haben dementsprechend unterschiedliche Querschnitte. –Tafel III Abb.4. Prüfhiebe, Ornamente, Schriftzeichen kommen nicht vor.

PGS 41,1 (2020) Tafel 3 Abb. 4: Gotland. Fornsal Museum in Visby. Einige Silberbarren aus dem Spillings Hort 2.

PGS 41,1 (2020) Tafel 3 Abb. 4: Gotland. Fornsal Museum in Visby. Einige Silberbarren aus dem Spillings Hort 2. (Foto W.carter commons.wikimedia.org).

Die Spillings-Horte stellten einen erheblichen Vermögenswert dar:„Whether the silver and bronze objects were intended to be used as raw material for jewellery production […] or as capital to invest in trade journeys across the Baltic sea.” (Oestergren S.334)

Oestergren hat eine aufschlussreiche Berechnung angestellt, welche den Wert des Silberschatzes illustriert: “One mark weighed just over 200 g, which means that 67 kg were the equivalent of 335 marks of silver. This can be compared to what has been written in the Guta saga, namely that all Gotländers together were to pay 60 marks of silver (i.e. 12 kg), per annum in tax to the Swedish king. … This corresponds to c. 8g per farm and year, given that there were probably at least 1500 farms on Viking-age Gotland. The silver in the Spillings hoard would have sufficed to pay the whole of Gotland’s tax to the Swedish king for five years.” (S.327)
Weshalb der Schatz nicht wieder gehoben wurde, ist nicht zu ermitteln. Er ist ausgestellt in der Schatzkammer des wunderbaren Museums (Gotlands fornsal) in Visby, der Hauptstadt Gotlands.[1]

Die Insel Gotland weist eine unglaubliche Dichte von Edelmetall-Schatzfunden aus der Wikingerzeit auf, ca.700 Funde sind aktenkundig, eine unbekannte Anzahl ist in Privatbesitz, viele weitere werden noch unentdeckt im Boden vermutet. – Tafel VIII Karte 1

PGS 41,1 (2020) Tafel 8 Karte 1: Fundorte von Silberhorten auf der Insel Gotland.

PGS 41,1 (2020) Tafel 8 Karte 1: Fundorte von Silberhorten auf der Insel Gotland. Bisher wurden mehr als 700 Horte entdeckt. Sie sind gleichmäßig über die Insel verteilt, mit Ausnahme des felsigen Bereichs, der die Insel in der Mitte von Westen nach Osten durchquert. (Carlsson 2015:65).

Objects of gold have been found in 64 hoards. […] One hundred and sixty five hoards contain occasional bracelets, arm-rings, brooches, etc. whereas 500 contain silver coins, totalling 170000 […] . Most of the coins have been imported from the Islamic countries, as well as from England and Germany. […] -Tafel III Tabelle 1 – The Gotlandic Viking-age hoards have been dated bet- ween c.800 and 1140.” (Oestergren S.321).

PGS 41,1 (2020) Tafel 3 Tabelle 1: Münzfunde der Wikingerzeit im Ostseeraum, Stand 2004.

PGS 41,1 (2020) Tafel 3 Tabelle 1: Münzfunde der Wikingerzeit im Ostseeraum, Stand 2004. (Mäkeler 2005:124).

Eine Sonderstellung bei diesen Funden nimmt der Hort von Burge, Lummelunda ein (10,369 kg, rund 3000 Münzen, 7719 g Schmuck und Barren). Er stammt aus der späten Periode der Wikingerzeit. „Besondere Beachtung verdienen hier die Barren, die in unterschiedlichsten Formen und Größen begegnen (38+34 Exemplare). Es kommen nicht nur die aus dem wikingerzeitlichen Fundmaterial bekannten Stabbarren und Bleche sowie die selteneren runden Gußkuchen vor, sondern den Hauptteil machen an den Enden zungenförmig ausgehämmerte […] und rhombische […] Barren aus, die einwandfrei russischer Herkunft und durch den Fund von Burge zum ersten Mal auf Gotland belegt sind.“ (Hatz S.22) – Tafel IV Abb.5.

PGS 41,1 (2020) Tafel 4 Abb. 5: Dirhem, Silberbarren, Silberringe und Hacksilber aus dem Fund von Burge.

PGS 41,1 (2020) Tafel 4 Abb. 5: Dirhem, Silberbarren, Silberringe und Hacksilber aus dem Fund von Burge. (aus Jansson 1996:69, Foto Christer Åhlin).

Das wikingerzeitliche Fundmaterial aus West-, Mittel- und Osteuropa dokumentiert die zentrale Rolle, die Gotland im europäischen Handel der Zeit gespielt hat. Diese Funde gab es fast im gesamten Nord- und Ostseeraum, in Skandinavien, im Baltikum, in Polen, in Mecklenburg, Pommern, Schleswig-Holstein, in Großbritannien und Irland. – Tafel IX Karte 2 und Tafel X Karte 4.[2] + [3]

PGS 41,1 (2020) Tafel 9 Karte 2: Wikingerzeitliche Schatzfunde in Europa.

PGS 41,1 (2020) Tafel 9 Karte 2: Wikingerzeitliche Schatzfunde in Europa. (Gruszczynski 2016:1).

PGS 41,1 (2020) Tafel 10 Karte 4: Handelswege der Wikinger.

PGS 41,1 (2020) Tafel 10 Karte 4: Handelswege der Wikinger. (Graham-Campbell 1994:79).

Wichtigster Fund in Großbritannien ist der Cuerdale Hoard aus dem frühen 10.Jahrhundert, der schon 1840 entdeckt worden ist ( 42,6 kg, 8600 Gegenstände, ca. 7500 Münzen), er liegt zum größten Teil im British Museum. (s.Graham-Campbell 2013, S.5.) – Tafel V Abb.6.[4]

PGS 41,1 (2020) Tafel 5 Abb. 6: England: Grafschaft Lancashire: Gemeinde Cuerdale bei Preston am Ribble River. Teile des 1840 entdeckten wikingerzeitlichen Silberhortes (sog. Cuerdale Hort).

PGS 41,1 (2020) Tafel 5 Abb. 6: England: Grafschaft Lancashire: Gemeinde Cuerdale bei Preston am Ribble River. Teile des 1840 entdeckten wikingerzeitlichen Silberhortes (sog. Cuerdale Hort). (Brit. Museum Nr. 1841.0711.13 und 1841.0711.400).

Ein Beispiel für einen Wikinger-Hort, der auf deutschem Boden gefunden wurde, ist der Hortfund von Schaprode (Rügen). Er wurde 2018 geborgen und besteht aus rund 600 Silberobjekten im Gesamtgewicht von 1,5 kg. „Bei den Fundstücken handelt es sich um Münzen, Halsreife, Perlen und einen Thorshammer. Die Münzen und Schmuckstücke waren vielfach zerkleinert (‚zerhackt‘), um sie als Gewichtswährung einzusetzen.“ (Wikipedia: Der Hortfund von Schaprode S.1) – Tafel IX Karte 3, Tafel VI Abb.7.

PGS 41,1 (2020) Tafel 9 Karte 3: Wikingerzeitliche Schatzfunde in Mecklenburg und Pommern.

PGS 41,1 (2020) Tafel 9 Karte 3: Wikingerzeitliche Schatzfunde in Mecklenburg und Pommern. (Gruszczynski 2016:3).

PGS 41,1 (2020) Tafel 6 Abb. 7: Deutschland: Silberschatz von einem Flurstück bei Schaprode auf der Insel Rügen.

PGS 41,1 (2020) Tafel 6 Abb. 7: Deutschland: Silberschatz von einem Flurstück bei Schaprode auf der Insel Rügen. Niederlegung vermutlich in den 980er Jahren. Geborgen 2018. Der Fund enthielt über 600 Silberobjekte. (Foto LAKD M-V / LA aus archaeologie-online.de).

Die irischen Horte Dysart 1 und 2 nehmen auch eine Sonderstellung ein, sie enthalten Barren von außergewöhnlicher Größe und außergewöhnlichem Gewicht: Die 5 Barren von Dysart 1 wiegen zusammen 2.625 kg (durchschnittlich 525g), die 2 Exemplare von Dysart 2 wiegen 3,14 bzw. 3,11 kg. (Ryan u.a. SS. 336, 338, 370f.).

Der Schatz ist wohl in den späten 980er Jahren vergraben worden. Auffällig ist, dass er keine Barren enthält. Von den gefundenen Münzen konnten über 100 Stück dem legendären Dänenkönig Harald Blauzahn zugeordnet werden, der Dänemark geeinigt hatte und versucht hatte, in seinem Reich das Christentum einzuführen.

Man weiß nicht, warum Wikinger ihre Schätze vergraben haben, und man weiß auch nicht, warum sie die Objekte nicht wieder geborgen haben; ob es nur profane oder auch religiöse Motive waren (Gaben an die Götter?), ist nicht zu ermitteln. Allerdings ist klar, dass jedes Gramm Silber als Geld verwendet werden konnte; und zu diesem Zweck konnte das Silber, in welcher Form es auch immer vorlag, zerhackt werden zu den jeweils benötigten Portionen. Das Silber war Gewichtsgeld, man kann davon ausgehen, dass jeder an finanziellen Transaktionen Beteiligte über ein Equipment zum Wiegen verfügte. Die Archäologen haben eine ganze Anzahl von Klappwaagen und erhebliche Mengen an Gewichten geborgen. Die Waagen konnte man zusammengeklappt in kleinen Blechdosen mit sich führen. – Titelblatt.[5]

PGS 41,1 (2020) Titelblatt: Ausrüstung eines wikingerzeitlichen Händlers: Klappwaage, Transportdose, Gewichte, Silberobjekte, Specksteinform für Barrenguss.

PGS 41,1 (2020) Titelblatt: Ausrüstung eines wikingerzeitlichen Händlers: Klappwaage, Transportdose, Gewichte, Silberobjekte, Specksteinform für Barrenguss. (aus Jansson 1996:28, Foto Christer Åhlin).

Die Gewichte sind aus Metall (Blei, Eisen), es gibt verschiedene Formen: rechteckige, zylindrische, konische und bikonische sowie Kubooktaeder-Gewichte. „Nach arabischem Vorbild wurden in den Handelsplätzen Waagen gefertigt und genormte Gewichtssätze hergestellt.“ (Steuer 2004, S. 72) – Tafel VII Abb.8 a/b.

PGS 41,1 (2020) Tafel 7 Abb. 8a: Genormte Gewichte der Wikinger.

PGS 41,1 (2020) Tafel 7 Abb. 8a: Genormte Gewichte der Wikinger. (Kyhlberg 1980:220).

PGS 41,1 (2020) Tafel 7 Abb. 8b: Kugelförmiges Gewicht der Wikinger. 43,7g.

PGS 41,1 (2020) Tafel 7 Abb. 8b: Kugelförmiges Gewicht der Wikinger. 43,7g. (Privatsammlung).

Das Ostseegebiet war […] während der Wikinger- und der Hansezeit eine Zone intensiver Kommunikation. […] Man kommunizierte mit Hilfe dieser Waagen und Gewichte über das Wirtschaftsmedium Geld/Silber im gesamten Bereich.“(Steuer a.a.O. S. 78).

Ob auch Gussformen für Barren (aus Speckstein) zur Ausrüstung von Händlern gehörten, ist unklar. Silber wurde wohl aus praktischen Gründen gern eingeschmolzen und zu Barren gegossen und konnte dann auch zu den jeweils benötigten Portionen abgehackt werden.
Zum Problem der Kaufkraft des Silbers ist die Quellenlage äußerst unbefriedigend. Naumann hat in seinem Aufsatz „Warenpreise und Wertverhältnisse im alten Norden“ einiges Material zusammengetragen, das aber vor allem aus isländischen Quellen besteht und im wesentlichen nach der Wikingerzeit entstanden ist. So beschränke ich mich auf die Wiedergabe seiner Erkenntnisse zu wikingerzeitlichen Sklavenpreisen: „Einer der wertmäßig dominierenden Warenposten im binnen- wie außernordischen Handel dürfte der bis weit über die Wikingerzeit hinaus blühende Sklavenhandel gewesen sein. […] Der in Norwegen und Island begüterte Höskuldr Dalakollsson kaufte um das Jahr 937 die Irin Melkorka von einem Sklavenhändler mit dem Beinamen ‚der Russe‘ und muß für die Frau, die eindeutig als Sexualobjekt erworben wird, mit 3 Mark an gewogenem Silber das Dreifache einer Durchschnittssklavin bezahlen. […] Die gezahlten Silberäquivalente können […] je nach Alter, Geschlecht und Käuferinteresse erheblich schwanken. […] Der Normalpreis [betrug] in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts 1 ½ Mark für den Mann und 1 Mark für die Frau. […] Das sind nach Silbergewicht rund 300 bzw. 200g Gangsilber.“ (S.384f, vgl. auch z. B. Herrmann SS.133-137, Jankuhn S.187).
Burström hat einen neuen Interpretationsansatz (für die Silberhorte von Gotland vorgestellt: „Silver as Bridewealth“. Er hat aber keinen Quellenbeleg vorlegen können, der eine konkrete Summe benannt hätte. Man darf jedoch wohl annehmen, dass Silber für die Bezahlung von ‚Brautpreisen‘ wie wohl auch bei allen anderen finanziellen Transaktionen der Wikingerzeit eingesetzt werden konnte. Eine Tributzahlung ist schon erwähnt worden (s. o.). Tribute erpressten die Wikinger auch bei ihren Raubzügen nach Westeuropa, die angelsächsische Chronik nennt einige Summen (England):
991 10000 Pfund, 994 16000 Pfund, 1002 24000 Pfund (‚Danegeld‘ , Gillingham S.373; vgl. z.B. Joranson, Lawson und Ward.
Silber spielte auch eine große Rolle im altgermanischen Strafrecht, es diente als ‚Wergeld‘, als Kompensationszahlung bei Tötungsdelikten. (Wilda, v. Amira) – Naumann referiert eine Zollgebühr: „Um das Jahr 1022 treffen die Isländer mit König Olaf ein Handelsabkommen, […] das ihnen in Norwegen weitreichende Privilegien sichert und zugleich die Höhe des bei der Landung zu erlegenden Hafenzolls regelt. Diese Abgabe (land aurar) besteht aus 6 Pelzmänteln und 6 Ellen Wollstoff oder einer halben Mark Silber.“ (S.378)
An diesem Beispiel ist auch abzulesen, dass es im alten Nordeuropa neben dem Silber noch andere Zahlungsmittel und Recheneinheiten gab: Zu nennen sind da außer Textilien das seltenere und wertvollere Edelmetall Gold (vgl. Kershaw) und verschiedene Warengelder („commodity money“) Gullbeck hat sich mit diesen Geldformen beschäftigt: „Commodities were not only used as money in certain cases within the agrarian parts of society, but were widely used and accepted in standardised value relations to each other, and also as means of storing wealth.“ (S.93) „It is reasonable to assume that some of the most common forms of commodity money in the Middle Ages would also have been accepted as means of payment in Viking society: gold, silver, cattle, butter, crops, hides, horses oxen, sheep, vadmal (Wollstoff), salt, swords, slaves, ships, copper and iron.” (a.a.O. S. 104; vgl. auch die Aufzählungen S.103, dazu Naumann SS. 376ff., Skre 2011b, Lunden, Critch u. a., Kershaw.)
Die erste auf Gotland geprägte Münze stammt aus dem Jahre 1046 – Ende der Gewichtsgeldwirtschaft.

*****

[1] Die Webseite „samlingarna.gotlandsmuseum.se“ bietet eine Reihe von Detailaufnahmen des Spillings-Horts.

[2] Seit 1977 läuft das „Gotland Hoard Projekt“ des „Gotland Branch of the National Board of Antiquities (RAGU)“, welches einen systematischen Überblick über die Silberschätze Gotlands und ihre Fundumstände und Fundorte zum Ziel hat, s. K. Jonsson, Gruszczynski 2016 und 2018).

[3] Abbildungen von Silberhorten finden sich z.B. bei Stenberger, Hardh 1976, 1995, Graham-Campbell 1994, 2013, Graham-Campbell et al. 2011, I. Jonsson, Domeij, Lamm, Wiechmann, Andersson, Carlsson, Skre 2006b und in der Datenbank des dänischen Nationalmuseums.

[4] Viele Abbildungen von Objekten aus dem Cuerdale Hoard sind in der Datenbank des British Museum enthalten.

[5] Abbildungen von Waagen und Gewichten finden sich bei Bakka, Carlsson, Domeij, Gustin, Herrmann, Jankuhn 1943I, Jonsson, Kyhlberg, Pedersen, Skre 2006b, Widerström und bei Steuer 1984, 1987, 1997, 2002, 2004, 2007.


Literaturverzeichnis

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    • Wilda, Wilhelm Eduard (1842): Das Strafrecht der Germanen. Halle.

Imun – ein altes Zeremonialgeld der nordwestlichen Salomonen

Imun – an old ceremonial money of the northwest Solomon Islands.

Imun – une ancienne monnaie cérémonielle de Îles Salomon.

Frank Reiter

Auf den nordwestlichen Inseln der Salomonen – Buka, Bougainville und Nissan – hat sich eine Geldform entwickelt, die sonst nirgends im pazifischen Raum zu finden ist.

Karte Papua Neuguinea Buka, Bougainville Nissan

Es handelt sich um ein altes Zahngeld, das in zwei Arten vorkommt, die sich lediglich durch die Art der Zähne unterscheiden, sonst aber völlig gleich sind. Eine Art besteht aus den spitzen oberen Eckzähnen des Flughundes (“flying fox”) der Gattung Pteropus[1], die andere aus den stumpfen, am Ende leicht gebogenen Tümmler- bzw. Delphinzähnen[2]

Abb. 1 imun mit Delphinzähnen oben und Pteropus Zähnen unten

Blackwood (1935, Tafel 67) nennt beide Geldarten je nach Sprachgruppe auf Buka imun oder paio. Parkinson (1907 S.494) gibt an, dass im nördlichen Teil von Bougainville das Flughundzahngeld reki, das Delphinzahngeld baiu genannt wird.

Vor fast 40 Jahren erhielt ich ein vollständiges Exemplar des Flughundzahngeldes (Abb.2a) von Nahis Bohon, einem Einheimischen aus dem Dorf Gagan, (Solos-Sprachgruppe) auf Buka[3].

Abb. 2 a imun mit Pteropus Zähnen

Es ist insgesamt 224 cm, der mit Zähnen besetzte Teil 216 cm lang. Bei diesem Geldstrang sind ca. 500 Flughundezähne einzeln im Abstand von 4 – 5 mm zwischen zwei Pflanzenfasern gedrehten Strängen eingefügt[4]. In den Zwischenräumen sind die beiden Faserstränge mit ganz dünner Pflanzenfaserschnur fortlaufend fest umwickelt, wobei auch die Zähne mit umschlungen sind, so dass sie festen Halt haben (Abb.4)

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Spurensuche und Spurensicherung 1439 – 2016

Die Geld-Manillen aus Portugal, England und Frankreich gehören zu den bekanntesten nichtmünzlichen Zahlungsmitteln Westafrikas.

„tacoais“ Manillen der Portugiesen

Manillen vom Typ „popo“ aus England oder auch auch Frankreich

Manillen vom Typ „Birmingham“ aus England

Arm-, Fuss- und Halsreife sind vermutlich die in Afrika am weitesten verbreiteten Schmuck-Objekte. Der Interessierte steht damit vor der Aufgabe, aus der Flut von metallischen Reifen und Ringen diejenigen zu bestimmen, die wirklich als nichtmünzliche Zahlungsmittel hergestellt und verwendet wurden – und damit als „Geld-Manillen“ bezeichnet werden können.
-> vergl. die Leseprobe bei „BOOKONDEMAND

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Brauner Belag auf den Geldstücken von Lannatai


Brown Covering on the Coins of Lannatai
(English VERSION follows below)

Hans Menzel-Severing

Auf den Unterseiten der Geldstücke von Nan (Abb.1a/b), der Toks von Chiengmai (Abb.2a/b), des „Flower-Money“, „Oyster-Shell-Money“ (Abb. 3a/3b), „Horse-Hoof-Money“ und „Pig-Mouth-Money“ ist ein bräunlicher Belag zu sehen, der einmal als verkrustetes Eigelb oder Hühnerblut beschrieben wurde. (Le May; Opitz) – In vielen Publikationen ist diese Erklärung übernommen und nicht immer bezweifelt worden. Krisadaolarn / Mihailovs vermuten: “We think that the coloring was achieved by applying gold leaf to the obverse after production“. (S.64) –

Abb. 1a Tok Nan Unterseite

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Kauris im Hochland von Papua, Indonesien (Ein Nachtrag)

 

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia (Supplement)

Bernhard Rabus

 Mein gleichnamiger, vorausgehender Artikel vom 12.12.2016 (abgedruckt im Primitivgeldsammler 37, 2 (2016) stützte sich weitgehend auf die Buchtheorie und einige Bilder aus der online-Sammlung des Yale Peabody Museum for National History (von Pospisil bei seinem Feldaufenthalt 1955 gesammelt). Kauris mit abgeschlagenem Rücken hat wohl jeder von uns, aber wer besitzt schon welche mit der genauen Herkunft und aus der Zeit? Unser Klubmitglied Kurt Koschatzky hat mich mit der Mitteilung überrascht, dass er Stücke mit der Herkunftsangabe Enarotali besitze und zwar Kauris, eine Nassa-Katte und Glasperlen, alle auf alte gedrehte Schnur aufgezogen. Als er das Konvolut ersteigerte, bildete es ein wirres Knäuel, von dem er zunächst nicht wusste, welche Schätze es barg. Enarotali ist die Hauptstadt des Regierungsbezirks Paniai, in dem das Siedlungsgebiet der Kapauku, auch Ekari oder Ekagi genannt, liegt.

 

Ich durfte die Stücke bei Herrn Koschatzky sehen und freundlicherweise hat er mir Fotos davon zur Verfügung gestellt. Sie sind nachstehend kommentiert. Damit wird die Theorie mit der Praxis verbunden.

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Kauris im Hochland von Papua, Indonesien

Cowries in the highlands of Papua, Indonesia

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/2, 49-57 (2016); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bernhard Rabus

Auf ihrem Zug durch die Welt hat die Kauri auch vor dem Hochland des westlichen Teils von Neuguinea, heute die indonesische Provinz Papua, nicht haltgemacht. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um Monetaria moneta (früher Cypraea moneta), also die „Geld-Kauri“. Auch wenn sie in ihrer natürlichen Form gesammelt und gehandelt wurde, als indigene Geldform trat sie hier stets mit abgeschlagenem Rücken auf.

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Abb. 1-1: Indonesien: Provinz Papua: Dorf Botukebo. Männer der Kapauku zahlen einen
Brautpreis (aus Pospisil, 1962)

Wenn auch Kauris von Norden her den Mamberano Fluss entlang eintrafen so wurde das  zentrale Hochland, das etwa 200.000 Dani bewohnen, im Wesentlichen aus zwei Richtungen mit Kauris versorgt: Von Südwesten her über die Ekari = Kapauku, Moni und Damal sowie von Südosten her über die Mandobo und Muyu.

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua (aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

Abb. 1-2: Hauptachse der Kauri-Zirkulation im Hochland der indonesischen Provinz Papua
(aus A. M. und P. Pétreqin: Objets de pouvoir en Nouvelle Guinée, 2006, S. 159).

(Von mir gekennzeichnet sind die Stämme der Ekari/Kapauku, der Damal sowie der Muyu, bei denen Kauris eine echte Geldfunktion übernahmen. Konda Valley ist ergänzt. Hier forschte Denise O´Brien und dokumentierte den Gebrauch von Kauri-Bändern als Bestandteil des Brautpreises bei den Dani. Die Grafik endet rechts mit der Grenze zu Papua Neuguinea.)

Für die Kapauku/Ekari, die Damal und die Muyu ist der Gebrauch einzelner Kauris als Geld nachgewiesen, die Dani verwendeten sie wohl nur auf gewebte Bänder aufgenäht als Brautpreis.

A. Kauri-Bänder der Dani
Bei den Dani spielten die Kauris keine rein kommerzielle, sondern eher eine sozio-ökonomische Rolle. Auf Bänder zu je meist 60 Stück aufgenäht fanden sie bei Begräbnissen insofern Verwendung als die Teilnehmer damit dem Toten einen Tribut leisteten, hernach wurden sie wieder an die Gäste  verteilt (de Boer, 1986:98; Gardner und Heider, 1968:94-95). Weit wichtiger für  uns ist aber der Gebrauch dieser Bänder als „Brautpreis“. Diesen hat Denise O´Brien (1969) für die Dani im Konda Valley nach gründlicher Feldarbeit 1961 ausführlich dokumentiert. Die drei wesentlichen Bestandteile eines Brautpreises waren Schweine, Je-Steine, dort jao genannt, und Kauri-Bänder (S. 407). In den zahlreichen von ihr untersuchten Heiratsfällen betrug die durchschnittlich vom Bräutigam (eigentlicher Brautpreis) geleistete Anzahl der Kauri-Bänder 1930-1950 jeweils 7, zwischen 1950 und 1957 jeweils 14 und 1957-62 jeweils 17 (S. 432). Davor waren schon zur Verlobung Kauri-Bänder gegeben worden. Wer wieviel bezahlt und wer wieviel empfangen hat, listet O Brien auch an anderer Stelle tabellarisch auf (O´Brien 1969a:214 ff.) und weist dabei die große soziale Bedeutung dieser Zahlungen nach. Ploeg (1969:27 ff.) berichtet ausführlich über die Verwendung von Kauri-Bändern als Brautpreis bei den Wanggulam, einem Dani Stamm. Wie die Bänder aussehen zeigt:

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt 18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

Abb. 2: Der schwedische Naturforscher Sten Bergman verbrachte 1957 einige Monate bei
den Dani in Kadubaka im Swart Valley = Konda Valley. Das ist identisch mit Karubaga, in
dessen Nähe die Anthropologin Denise O´Brien (1969) in den Jahren 1961/63 insgesamt
18 Monate forschte Auch sie berichtet von Häuptling Tibalak und dass die Bewohner sich
an Bergman erinnerten. (Bergman, Mein Vater, der Kannibale, 1961, Tafel 29)

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Waren die südafrikanischen Perlen aus Straußeneierschalen (Buschmannperlen) Geld?

Were the South African ostrich eggshell beads (bushman beads) money?

Aus Heft 96: Primitivgeldsammler 37/1, 5-18(2016); Bei korrekter 
Zitierweiseist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne 
Rückfrage erlaubt.

Fritz Klusmeier

Jede Untersuchung dieser Perlen hat mit der Erkenntnis zu beginnen, dass sie ein uraltes Phänomen sind. Seit der Steinzeit haben Menschen in vielen Teilen Afrikas solche Perlen hergestellt, und Archäologen haben sie aus der Erde geholt, und zwar in verschiedenen Stadien der Verarbeitung (Anm. 1).

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika. O Fundorte (aus Krieger, !943 S.85)

Karte 1: Verbreitung der Straußenei Scheibchen in Afrika.
O Fundorte
(aus Krieger, !943 S.85)

 

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten). (von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Abb.1: Die Tasche einer Khoisan Frau (oben) mit Straußenei Schalen in verschiedenen Verarbeitungsstadien (Mitte) und Werkzeugen zur Bearbeitung der Scheibchen (unten).
(von L. Fourie um 1920 gesammelt; Museum Afrika in Johannesburg, aus M. Vanhaeren, 2005 S.536

Unter der Fragestellung der Überschrift sind diese vorgeschichtlichen Funde aber nicht relevant, da naturgemäß einschlägige Quellenbelege nicht vorliegen.

In neuerer Zeit wurden und werden diese Perlen weiterhin in Ost- und Südafrika hergestellt und verwendet. Ich beschränke meine Untersuchung auf Südafrika, da mir bezüglich Ostafrika keine für die Fragestellung relevanten Belege zur Verfügung stehen.

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Provenienz- bzw. Herkunfts- Forschung

Wer war wohl der frühere Besitzer?
Diese Frage beschäftigt Sammler immer wieder.

Die Pacific Arts Association  publiziert in einem laufenden Projekt Konkordanz-Listen zur Provenienz-Forschung. Dort werden Markierungen oder Beschriftungen an  Objekten aus Ozeanien bekannten Sammlungen oder Sammlern zugeordnet.

Auf http://www.pacificarts.org/node/791 finden sich entsprechende Hinweise und Konkordanzlisten zum Download.

 

Property celts aus British Columbia, Kanada

Aus Heft 93: Primitivgeldsammler 36/1, 3-7 (2015); Bei korrekter Zitierweise ist die Übernahme von kleineren Textausschnitten ohne Rückfrage erlaubt.

Bernhard Rabus

Property celts sind überlange, relativ schmale und dünne Steinklingen aus Nephrit, die an vorkolonialen Siedlungs- und Begräbnisorten der Salish Indianer an den Flüssen Fraser und Thompson in British Columbia gefunden werden.

Bild 1: Kartenausschnitt British Columbia mit Fundzentrum der Property celts

Bild 1: Kartenausschnitt British Columbia mit Fundzentrum der Property celts

Oft sind sie an einem Ende wie ein Breitbeil (adze) einseitig geschliffen, manchmal aber auch ohne jede Schneide. Die meisten Fundstücke zeigen nur geringe Gebrauchsspuren oder sind völlig unbenützt. Ihre Oberfläche ist in der Regle fein poliert. (Vergl. dazu Bild 2 bis 4 unten). Nephrit ist ein Silikat aus Calcium, Magnesium und Eisen. Er übertrifft gewöhnlichen Stahl an Druckfestigkeit und wurde deshalb seit mehr als 2000 Jahren zur Herstellung von Waffen und Geräten verwendet. Seine deutsche Bezeichnung Beilstein hat darin ihren Ursprung. Wenn von Jade die Rede ist, handelt es sich entweder um Jadeit oder um Nephrit. Laut Ministry of Energy and Mines bestehen alle bekannten Jade-Vorkommen in British Columbia aus Nephrit. Den Begriff Property kann man mit Besitz, Gut, Vermögen übersetzen. Als Celt bezeichnen Archäologen alle axtähnlichen Steinwerkzeuge.
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Bild 2

Bild 2

Von Sanger werden die dargestellten Objekte als celts bezeichnet.

Zumindest bei dem mit B bezeichneten größten Exemplar, das bei Anwendung des beigegebenen Maßstabs etwa 25 cm lang ist, dürfte es sich um einen property celt handeln. In Anbetracht der Form und der fehlenden Schneide könnte das auch auf D zutreffen.


Frühe Berichte über Nephrit Celts

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